Update - Tollwutfall bei europäischer Reisenden - laxes Vorgehen in Schwellenländern nicht ungewöhnlich

Vor einiger Zeit wurde über einen Erkrankungsfall bei einer niederländischen Reisenden berichtet. Die Patientin war in Chennai von einem streunenden Hund gebissen worden. Zwar sei eine nachträgliche Tollwutimmunisierung mit vier Impfungen innerhalb von zwei Wochen durchgeführt worden. Auf die Gabe von Tollwutimmunglobulin wurde hingegen augenscheinlich verzichtet.

[Update: Siehe auch den Übersichtsartikel im British Medical Journal (15.01.) zum Thema Tollwut-Prävention und -prophylaxe, der den gegenwärtigen "State of the Art" sehr gut auf den Punkt bringt: Volltext]

Bei einer ungeimpften Reisenden, die in einem Tollwutrisikogebiet von einem streunenden Hund gebissen wird, wäre der Verzicht auf die Gabe von humanem Tollwutimmunglobulin als gravierender Behandlungsfehler zu werten. In Entwicklungs- und Schwellenländern ist dieses Vorgehen hingegen selbst in gut ausgestatteten Privatkliniken nicht ungewöhnlich. Zwischen der ersten aktiven Impfung und der Injektion von Immunglobulin sollten in der Regel keinesfalls mehr als drei Tage liegen, idealerweise findet die Verabreichung in einer Sitzung statt ("Simultanimpfung"). Der rechtzeitige Transport in eine Klinik, die über Immunglobulin verfügt, kann lebensrettend sein. Bei Patienten, die bereits vor der Reise gegen Tollwut geimpft wurden, ist nach einem Biss zwar ebenfalls eine Wundversorgung nötig - in gewissem Umfang noch eine Tollwutnachsorge, doch auf die Verabreichung des teuren, leicht verderblichen und im Ausland schwer erhältlichen humanen Immunglobulins kann beim vor der Reise Geimpften verzichtet werden, aber eben nur bei diesem.

Die erfolgreiche Bekämpfung der Tollwut in Risikoländern setzt letztlich nicht nur die Behandlung gebissener oder gekratzter Menschen voraus, sondern auch die konsequente Durchführung von Impfprogrammen bei Tieren.

 

 

Bildquelle: Dr. H. Jäger

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