Reisen mit Herzschrittmacher

Zahlreiche Gründe können das Einsetzen eines Schrittmachers erforderlich machen. Häufig schlägt das Herz zu langsam (Bradykardie, weniger als 50 Schläge pro Minute) oder unreglmäßig (z.B. Vorhofflimmern).

Die Steuerung des Herzen ist eng mit dem Atemzentrum und mit der Abstimmung anderer Körperrhythmen und des Blutdruckes  verbunden. Dieses feine Regelsystem wird bei Überlastung und Stress leicht gestört. Das Herz schlägt dann häufig zu schnell und panisch und wird oft in der ärztlichen Behandlung wieder in einen Normalzustand gleichmäßigen Schlages herabgeregelt (z.B. durch so genannte ß-Blocker). Halten die Störungen des Herzrythmus sehr lange an, oder treten andere Ursachen hinzu, die den Herzrhythmus beeinflussen (Infektionen, Immunstörungen, Stoffwechselerkrankungen u.a.), können Ohnmachtszustände, Schwindel, Müdigkeit, Atemnot entstehen und Leistungsfähigkeit allgemein nachlassen. Wenn sich dann Herzrhythmusstörungen nicht mehr durch Verhaltensänderungen und medikamentöse Einstellung so beeinflussen lassen, das ein geregeltes Alltagsleben möglich ist, muss ein Herzschrittmacher eingesetzt werden.

 

Nach der Operation mit Implantation des Schrittmachers bestehen kaum Einschränkungen im Alltagsleben.

Ggf. können elektrische Geräte oder Magnete zur Beeinträchtigung der Funktion führen. Allerdings sind die meisten modernen Schrittmacher speziell vor Störeinflüssen abgeschirmt. Bestimmte Geräte in der Industrie oder Starkstromanlagen können zu einer Irritation des Schrittmachers führen. Vor allem starke Magnetfelder in der Umgebung können diesen Effekt haben. Grundsätzlich wird empfohlen, regelmäßig alle 6-12 Monate eine Kontrolle des Schrittmachers beim Kardiologen durchführen zu lassen. Hierbei wird die technische Feinabstimmung des Gerätes überprüft sowie ggf. die Schrittmacherprogrammierung den aktuellen Bedürfnissen angepasst. Die Batterie moderner Schrittmacher hält in der Regel 5-10 Jahre. Danach muss das Gerät durch einen weiteren Eingriff ersetzt werden.

Nach dem Einsetzen des Schrittmachers

Meist kann man sich bereits wenige Tage nach dem Einpflanzen des Schrittmachers wieder ungehindert bewegen. In seltenen Fällen kann es für einige Zeit zu Einschränkung der Beweglichkeit des Armes (bei ausladenden Bewegungen) im Schultergelenk kommen. Auch beim Tragen schwerer Gegenstände können gelegentlich Probleme auftreten. Ist die kleine Operationswunde verheilt, vergisst man schnell, dass man einen Schrittmacher trägt. Es existieren keine Einschränkungen bei den gewohnten Aktivitäten. Haus- und Gartenarbeit kann wie gewohnt erledigt werden. Duschen, Baden und Schwimmen sind uneingeschränkt möglich. Nach Rücksprache mit dem Arzt können die Patienten meist ohne Einschränkungen in den Beruf zurückkehren. Das gleiche gilt für Sport und Hobbys. Sollten jedoch Beschwerden auftreten, ist es wichtig, frühzeitig den Arzt zu konsultieren.

Warnhinweise

Kommt es vor der ersten Kontrolluntersuchung oder zwischen den Untersuchungsterminen zu einem der folgenden Probleme, sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. 
 

  • Schwindel oder Bewusstseinsverlust
  • Schmerzen im Brustbereich
  • Atemnot
  • Müdigkeit/Schwäche
  • Muskelzuckungen im Bereich des Herzschrittmachers
  • anhaltender Schluckauf

Besonders kurz nach der Einpflanzung des Herzschrittmachers sollte auf den Fremdkörper in der Brust kein Druck ausgeübt werden. Auch ist nach dem Eingriff auf mögliche Entzündungszeichen (Überwärmung der Wunde, Rötung, Schwellung und/oder Schmerzhaftigkeit) zu achten.

 
Unterwegs
Wenn nicht bereits vorhanden, sollte ein Schrittmacherausweis ausgestellt und mitgeführt werden. Den Ausweis erhält man in dem Krankhenhaus, das den Schrittmacher implantiert hat. Auch der Kardiologe, der die regelmäßig nötigen Schrittmacherkontrollen durchführt kann den Ausweis ausstellen. Der Ausweis enthält u.a. die technischen Details des Gerätes, die medizinischen Gründe für das Einsetzen des Schrittmachers, die Ergebnisse der Kontrollen und Telefonnummer des betreuenden Arztes. Über diese Nummer sollen in Notfällen Rückfragen ermöglicht werden. Bei sehr modernen Geräten ist sogar eine EKG-Ableitung über das Telefon möglich.
 
Bei Reisen mit dem Auto sollte stets ein Sicherheitsgurt getragen werden. Eine Beeinträchtigung oder Beschädigung des Herzschrittmachers muss dabei nicht befürchtet werden. Auf dem Flughafen sollte das Boden- und Sicherheitspersonal über den Herzschrittmacher informiert werden. Hierbei kann auch der Schrittmacherausweis vorgelegt werden. Es wird im Rahmen der Sicherheitskontrollen dann über Verhaltensmaßnahmen informiert. Wenn ein Metalldetektor passiert wird, wird ein Alarm aufgelöst. Moderne Herzschrittmacher sind aber so konstruiert, dass die Detektoren nicht zu einer Störung der Funktion führen. Das gleiche gilt auch im Hinblick auf elektronische Sicherheitsvorkehrungen in Kaufhäusern.
 
Die Qualität der Gesundheitsversorgung ist in vielen Reiseländern sehr unterschiedlich. Die Implantion eines Schrittmachers im Ausland oder Notfalloperationen können daher mit zusätzlichen Risiken verbunden sein:
 
Vorsichtsmaßnahmen
 
Sportliche Aktivitäten, die mit einem erhöhten Beschädigungsrisiko für den Schrittmacher einhergehen wie beispielsweise Boxen, bestimmte asiatische Kampfsportarten, engagiertes Fußballspielen sind nur eingeschränkt zu empfehlen. Neben mechanischen Belastungen können auch elektromagnetische Felder bestimmter Geräte zu Beeinträchtigungen führen. Ein Sicherheitsabstand von mindestens 15 cm zum Herzschrittmacher kann sinnvoll sein.
Dies gilt beispielsweise für Handföne, elektrische Zahnbürsten mit Basisstation, Elektrorasierer mit Netzanschluss, elektrische Bohrmaschinen oder Sägen (bes. Kettensägen!), Lautsprecherboxen von Stereoanlangen und Lötkolben. Handys sollten nicht in der linken Brusttasche getragen werden; beim Telefonieren das Mobiltelefon möglichst in der rechten Hand halten.
Zu einem Herd mit Induktionskochplatte sollte ein Abstand von 60 cm eingehalten werden. Wenn Sie mit elektrischen Geräten arbeiten und Schwindel, unregelmäßige Herzschläge oder Herzrasen bemerken, schalten Sie das Gerät aus oder nehmen Sie einen größeren Abstand ein. In der Regel wird der Schrittmacher unverzüglich wieder normal arbeiten. Es wird nicht empfohlen, direkt unter Überlandleitungen zu stehen. Moderne Schrittmacher erlauben auch eine Untersuchung von Patienten in MRT (Magnetresonanztomographie)-Geräten, aber ältere Geräte können u.U. komplett zerstört werden.
 
Fernseher, Waschmaschinen, konventionelle Elektroherde, Mikrowellengeräte können unbedenklich verwendet werden, sofern sie in technisch einwandfreiem Zustand sind. Sollten Elektrogeräte, vor allem auf Reisen, keinen vertrauenserweckenden Eindruck machen, ist es besser, Abstand zu halten.
 
 
Fazit
Träger von Herzschrittmachern können sich auf Reisen im Allgemeinen genauso verhalten wie im Alltagsleben. Rechtzeitig vor der Reise kann mithilfe Ihres Kardiologen geklärt werden, wann die nächste Routinekontrolle nötig ist, und ob der Termin ggf. vorgezogen werden sollte, so dass evtl. nötige Neueinstellungen noch rechtzeitig vor der Reise durchgeführt werden können. Der Abschluss einer Reisekrankenversicherung mit der Möglichkeit des Rücktransportes wird empfohlen. Auch in der Hektik der Reisevorbereitung nicht den Schrittmacherausweis vergessen. Am Urlaubsort können Sie sich bereits bald nach der Ankunft erkundigen, ob und wo eine kardiologische Versorgung möglich ist. 
 
Link

MD Medicus Imagevideo

 
  1. MD Medicus
  2. Gesundheitsberatung & Pflegeassistance
  3. Haus-Service & Telemedizin
  4. Versorgungs- & Reha-Management
  5. International Beraten / Reisebüro / Dolmetscher Service
  6. Reise- & Tropenmedizin
  7. Medical Service Balear
  8. Auslands- & Firmenassistance