Pyodermie bei Tropenrückkehrern

In einem Artikel im Fachjournal Flugmedizin-Tropenmedizin-Reisemedizin-FTR (s.u.) diskutiert Dr. Philipp Zanger (Institut für Tropenmedizin Tübingen) das Problem Staphylokokken-bedingter Hautinfektionen bei Reisenden:

Pyodermien

 

Neben der Reisediarrhoe und Atemwegsinfektionen gehören Hauterkrankungen zu den häufigsten Mitbringseln von Reisenden. Bei rund 20 Prozent der Reisenden mit Hautveränderungen, liegt eine bakterielle Infektion vor. Es dominieren die Eitererreger Staphylococus aureus und Streptococcus pyogenes. Während bei Abszessen, Follikulitiden, Furunkeln und Karbunkeln meist S. aureus dominiert, finden sich bei ecthymatischen (wie ausgestanzt wirkenden) Hautläsionen meist Streptokokken. Bei impetiginösen Hautveränderungen lassen sich bei etwa der Hälfte der Fälle Streptokokken und Staphylokokken nachweisen. Auch Mischinfektionen kommen vor.
 

Begünstigende Faktoren

Zanger weist darauf hin, dass eine Reihe von Faktoren, traditionell als begünstigend für Pyodermien bei Tropenaufenthalten angesehen werden, wie Mückenstiche (bes. Mikroverletzungen nach Kratzen) und das feuchwarme Klima (vermehrtes Schwitzen), zwar plausibel erscheinen, aber in ihrer Bedeutung kaum belegt seien. Für das häufigere Vorkommen eitriger Hautinfektionen in den Tropen könnte es eine andere Erklärung geben: Eiterbildende Bakterien könnten in einigen Teilen der Welt gehäuft Virulenzfaktoren aufweisen, die eine Infektion der Haut begünstigen. Staphylokokken sind besonders „kommunikativ“ und können sowohl Resistenz- als auch Virulenzfaktoren über Plasmide leicht untereinander austauschen.
 

Selektionsdruck

Der internationale Reiseverkehr in Verbindung mit dem hohen Selektionsdruck, dem die Erreger ausgesetzt sind (u.a. durch massiven Antibiotikaverbrauch in der Tierhaltung und Medizin) kann eine Ausbreitung resistenter und zunehmend aggressiver Bakterien über die Grenzen von Kontinenten hinweg begünstigen. Infektionen mit besonders virulenten („krankmachenden“) Stämmen eines Erregers werden eher mit Antibiotika behandelt als Infektionen mit weniger virulenten Varianten. Diese an sich banale Tatsache führt zwangsläufig dazu, dass besonders aggressive Erregervarianten auch am häufigsten multiple Antibiotikaresistenzen entwickeln. So findet sich das mobile Resistenzgen mecA zunehmend in Gesellschaft des Virulenzfaktors PVL (Panton-Valentine-Leukozidine).

Risikofaktoren

Riskofaktoren für Infektionen durch PVL-positive und/oder multiresistente Staphylokokken während einer Fernreise sind:

  • Langzeitreisen
  • Reisen mit humanitären Einsätzen
  • Aufenthalte in
    • Afrika
    • im Mittleren Osten
    • im Pazifischen Raum

Bildquelle: D. Zimmer

Resistenzvorkommen

Je nach bereister Region fand sich eine Häufung von S. aureus-Resistenzen gegen bestimmte Antibiotika:

  • Süd- und Südost-Asien gehäuft Resistenzen gegen Chinolone
  • Afrika und Südostasien gehäuft Resistenzen gegen Trimethoprim/Sulfamethoxazol
  • pazifische Region gegen Methicillin
     

Therapie

Oberflächliche Hautinfektionen durch S. aureus erfordern in der Regel keine antibiotische Behandlung. Eine chirurgische Drainage kann bei tieferen Abszessen geboten sein. Auch hier erfolgt in der Regel nur eine Antibiose, falls ausgeprägte systemische Beschwerden vorliegen oder eine chirurgische Sanierung nicht möglich ist. Durch PVL-positive Staphylokokken hervorgerufene Abszesse sind meist nicht gut abgekapselt, daher ist nach Drainage oft eine anschließende Antibiotikabehandlung notwendig. Auch bei fehlgeschlagenen allgemeinen Sanierungsmaßnahmen mit wiederkehrenden Pyodermien kann eine systemische Antibiotikabehandlung erforderlich sein. Vor Beginn einer Antibiose sollte eine mikrobiologische Diagnostik in die Wege geleitet werden. Zanger betont, dass insbesondere die Anwendung von Trimethoprim/Sulfamethoxazol bei Reiserückkehrern aus Afrika oder Asien mitunter keine optimale Ergebnisse liefere. Sowohl bei Vorliegen von Multiresistenz aber auch bei Nachweis von Virulenzfaktoren wäre eine Isolierung des Patienten geboten.

Fazit

Da Antibiotikaresistenzen und Virulenzfaktoren in einigen Teilen der Welt verbreiteter sind als in Europa können bakterielle Hautinfektionen bei Tropenrückehrern die behandelnden Ärzte vor größere therapeutische Herausforderungen stellen als vergleichbare in Deutschland erworbene Erkrankungen.

Quelle

  • Zanger P. Staphylogene Pyodermie bei Tropenrückehrern – Reisende importieren virulente und resistente Stämme. FTR 2012; 19: 272-275.

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