Lungenpest in Madagaskar

Die Lungenpest
 

Erreger: 

  •  Yersinia pestis. Ein stäbchenförmiges Bakterium mit folgenden Eigenschaften: 1,5-2,0 µm Länge, gramnegativ und fakulativ anaerob (Existenz unter sauerstoffarmen Bedingungen ist möglich).

 Aktueller Stand:

  • Madagaskar: Seit August 2017 ist es in Madagaskar erneut ein Ausbruch dieser hochinfektiösen Erkrankung zu verzeichnen. Die WHO sprach zunächst von 194 Erkrankungen mit 30 Todesfällen. Neben der Beulenpest ist es diesmal vor allem die sehr gefährliche Lungenpest an der nach ersten Berichten mind. 73 Menschen erkrankten. Nach statistischen Bereinigungen des Datensatzes wird die Fallzahl inzwischen mit 1.309 angegeben, darunter auch Verdachtsfälle. Die Zahl der Toten liegt bei 93.  Dieser Ausbruch betrifft ungewöhnlicherweise auch die Hauptstadt Antananarivo (derzeit besonders den Stadtteil Renivohitra bzw. den östlichen Bezirk Avaradrano) sowie die Hafenstadt Toamasina und die Distrikte Faratsiho und Tsiroanomandidy. Vermehrt treten  Fälle der hoch ansteckenden Lungenpest in der Hauptstadt auf. Mehr als 67% der Fälle wurden klinisch als Lungenpest eingestuft. Lediglich bei knapp 21 Prozent liege eine Beulenpest vor.  (WHO26.10., Auswärtiges Amt 13.10., ProMED 02.10.; ProMED 04.10.)
    Auswärtiges Amt (19.10.): ==> ==> ==> "Eine Einschleppung nach Deutschland wird als extrem unwahrscheinlich angesehen. Bei einer fieberhaften Erkrankung nach Rückkehr aus Madagaskar sollte man sich einem Tropenmediziner vorstellen, auf den Aufenthalt hinweisen, um wahrscheinlichere Ursachen wie eine Malariaerkrankung auszuschließen."
     
  • Seychellen: Hinweis des Auswärtigen Amtes: Obwohl die Seychellen selbst von der Pest bisher nicht direkt betroffen sind, hat der  Ausbruch der Pest in Madagaskar ggf. Auswirkungen für Reisen auf die Seychellen. Es wird empfohlen, sich über die Externer Link, öffnet in neuem FensterWebseite des seychellischen Gesundheitsministeriums bzw. dessen letzte Externer Link, öffnet in neuem FensterPressemitteilung über aktuelle Maßnahmen (insbesondere bei Voraufenthalt in den letzten sieben Tagen eine siebentägige Quarantäne) sowie zur aktuellen Situation vor Ort informiert zu halten und die daraus folgende Handlungsempfehlungen zu beachten. (AA 10.11.)
     
  • Mauritius: Hinweis des Auswärtigen Amtes: "Reisende mit einem Voraufenthalt in Madagaskar in den vorhergehenden sieben Tagen können aufgrund des dortigen Ausbruchs der Pest bei Einreise nach Mauritius auf Krankheitszeichen untersucht und bei auffälligen Symptomen in Quarantäne genommen. Auch Reisende ohne vorherigen Aufenthalt in Madagaskar müssen mit einer Gesundheitsuntersuchung rechnen. Alle Reisende müssen Kontaktdaten hinterlassen und werden für eine Dauer von 10 Tagen unter Beobachtung gestellt." (AA 17.11.)

Übertragung:

  • Pestausbrüche beginnen, sofern man vom Einsatz des Pesterregers im Rahmen der biologischen Kriegführung absieht, entweder damit, dass infizierte Pestflöhe, ausgehend von Ratten oder anderen Säugetieren, auf den Menschen überspringen. Die Ansteckung erfolgt dabei dann im Zuge der Blutmahlzeit der Flöhe. Oder es kommt zur Übertragung des Errgers auf den Menschen durch den direkten Kontakt zu infizierten Haustieren (Katzen, Nagetiere). 

    Im Gegensatz zur in 90% der natürlichen Fälle auftretenden Beulenpest wird die Lungenpest direkt von Mensch zu Mensch übertragen. In fünf bis neun Prozent der Fälle entwickelt sich aus einer unbehandelten Beulenpest eine Lungenpest, welche dann wiederum über Tröpfchen - wie sie beim Husten oder Nießen entstehen - von Mensch zu Mensch weiterverbreitet werden. Auch eine Übertragung durch Einatmen von mit Flohkot kontaminiertem Staub ist möglich. 

Inkubationszeit:

  • Die Zeit zwischen Ansteckung und manifestem Ausbruch der Erkrankung ist kurz. Liegt die Inkubationszeit im Falle der Bubonenpest bereits bei nur zwei bis sechs Tagen, so ist diese im Falle der Lungenpest mit nur ein bis drei Tagen nochmals deutlich kürzer.

Ansteckungsfähigkeit: 

  • Patienten mit Lungenpest gelten grundsätzlich als hochansteckend, während es im Falle der Beulenpest vor allem so ist, dass ein hohes Ansteckungsrisiko  vor allem von einem direktem Kontakt mit Körperflüssigkeiten Infizierter ausgeht.  In Studien an Primaten wurde gezeigt, dass bereits 1-10 bzw. 100- 500 Pest-Erreger als minimale Dosis für eine Ansteckung ausreichen können.

Widerstandsfähigkeit des Erregers:

  • Die "Tenazität", also die Widerstandsfähigkeit des Pestbakteriums gegenüber Umwelteinflüssen, ist ausgeprägt. Der Erreger überlebt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts:
    • bis zu zwei Monaten in infizierten Flöhen,
    • fünf bis sechs Monate auf Kleidungsstücken,
    • bis zu sieben Monaten im Boden,
    • über Wochen in Wasser, Getreide und feuchten Lebensmitteln,
    • bis zu Jahren bei Temperaturen um 0°C auf verschiedenen Materialien,
    • ebenfalls lange Zeiträume in eingetrocknetem Auswurf von Patienten oder getrocknetem Flohkot,
    • auch in Verstorbenen bleibt der Erreger noch lange am Leben und bewahrt seine Ansteckungsfähigkeit

Empfindlich ist der Pesterreger gegenüber: Sonnenlicht (UV- Anteil), Temperaturen > 40°C und Desinfektionsmitteln des Wirkbereichs A (RKI-Liste)

Klinik:

  • Wird die Lunge eines Menschen von Pestbakterien befallen, insbesondere bei direktem Einatmen erregerhaltigen Aerosols, so kommt es zu einem hochakuten dramatischen Krankheitsbild mit hohem Fieber, Schüttelfrost, starken Kopf- und Muskelschmerzen, Husten, blutig-eitrigem Auswurf, rascher Entwicklung von Atemnot, hochgradigen Erregungszuständen. Eine unbehandelte Lungenpest verläuft zu 100% tödlich. 

    Der Tod erfolgt durch akutes Atemversagen, Kreislaufversagen und innere Blutungen. Es findet sich oft ein rasend schneller Verlauf mit baldigem Bewusstseinsverlust. 

    Genaue Angaben zur Sterblichkeitsrate behandelter Patienten sind im Falle der Lungenpest nicht verfügbar, im Falle einer behandelten Beulenpest liegt die Sterblichkeitsrate bei 5-15% (unbehandelt bei 50-60%). Bei der behandelten Lungenpest ist in jedem Fall damit zu rechnen, dass - im Falle eines Therapieerfolges - sich die Genesungsphase  langwierig gestaltet.

Therapie: 

  •  Die Behandlung mit Antibiotika ist möglich. Die Therapie sollte bei Verdacht am besten sofort begonnen werden, allerspätestens jedoch 24 nach dem Auftreten von Fieber und Husten. Während eine Entfieberung oft schon nach drei Tagen beobachtet werden kann, ist es zwingend notwendig die Antibiotika zur Vermeidung eines Relapses über volle 10 Tage zu verabreichen. Es kommt hierbei neben zahlreichen weiteren Therapieoptionen die Gabe von Doxycyclin, Streptomycin oder Gentamycin in Betracht. (Weitere Hinweise zur Therapie siehe S. 134-136, LINK)

Prävention und Prophylaxe:

  • Derzeit existiert weltweit kein zugelassener Impfstoff gegen die Pest. Im Falle einer bekannten Gefährdung, zum Beispiel bei Kontakten mit Lungenpestpatienten seitens des Pflegepersonals, empfiehlt das Robert-Koch-Institut eine Antibiotika-Prophylaxe über sieben Tage, und Beobachtung der jeweiligen Kontaktperson, ob sich während dieser Zeit ein Fieber oder Husten einstellt. Eine konventionelle Form der Post-Expositions-Prophylaxe (bei Erwachsenen) wäre die zweimalige tägliche Gabe von je 100 mg Doxycyclin über den Zeitraum von sieben Tagen.

 
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