Krank nach Fernreise: Wann ist eine Röntgenuntersuchung sinnvoll?

Atemwegssymptome gehören nach Magen-Darm-Beschwerden zu den häufigsten Gesundheitsproblemen von Reisenden. Zwischen zwei und 20 Prozent aller Urlauber haben während der Reise mit Atemwegsinfekten zu kämpfen. Bei etwa einem Drittel der Erkrankten sind auch die tieferen Atemwege, also Bronchien oder Lungen beteiligt. So, wie nicht bei jedem banalen Infekt eine Antibiotikabehandlung erforderlich ist, benötigt auch nicht jeder Patient mit Husten eine Röntgenuntersuchung der Lunge (Röntgenthorax). Andererseits können gelegentlich schwere, behandlungsbedürftige Erkrankungen übersehen werden, wenn auf diese Form der Diagnostik verzichtet wird. David Severs (Institut für Tropenmedizin, Rotterdam) und Kollegen werteten die Krankengeschichten von 750 Patienten aus, die während einer Reise erkrankt waren, deren Symptome weniger als vier Wochen vor Besuch des Arztes begonnen hatten und bei denen eine Röntgenthorax-Untersuchung durchgeführt wurde.

 

Ergebnisse
Bei sieben Prozent dieser Patienten fanden sich im Röntgenbild Auffälligkeiten (sog. Infiltrate), die auf eine Lungenerkrankung, insbesondere eine Lungenentzündung, hindeuten.

Die folgenden Befundkonstellationen fanden sich bei Patienten mit auffälligem Röntgenbild häufiger:

  • Fieber (> 38C°)
  • Husten
  • erhöhte Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG)
  • erhöhtes CRP
  • erhöhte Zahl an weißen Blutkörperchen

Keine Korrelation fand sich zwischen dem auffälligem Röntgenbild und:

  • allgemeinen Erkältungssymptomen („Common cold“)
  • allgemeinem Krankheitsgefühl
  • Dauer der Reise
  • Reiseziel
  • Lebensalter
  • Geschlecht

Besonders die Kombination Fieber und Husten war am häufigsten mit dem Vorliegen von Lungeninfiltraten vergesellschaftet, nämlich bei etwa 17 Prozent der Patienten. Kranke Reiserückkehrer ohne die Kombination "Fieber mit Husten" wiesen deutlich geringere Wahrscheinlichkeiten für Lungeninfiltrate auf (3,4%) als die „ungefilterte“ Gesamtgruppe (7,1%). Andere Faktoren, die in der Studie nicht berücksichtigt wurden, wie HIV-Status, positiver Tuberkulintest (o.Ä.) könnten möglicherweise ebenfalls von Bedeutung sein.

Fazit
Ein umsichtiger Einsatz von Röntgenthorax-Untersuchungen kann helfen, die Strahlenbelastung von erkrankten Reiserückkehrern sowie auch die anfallenden Kosten in der jeweiligen medizinischen Einrichtung zu senken.

Quelle

  • Severs D, Moolenaar C, van Genderen PJJ. Value of routine radiography in the diagnostic work-up of ill returned travelers. International Journal of General Medicine 2012; 5: 1003-2008. [PDF]

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