Impfungen bei Hühnereiweißallergie

Leidet ein Kind an einer Ei-Allergie, empfinden Eltern die Vorstellung, dass ein hühnereiweißhaltiger Impfstoff verabreicht werden soll, als bedrohlich.

Symptome
Der Verzehr von Ei kann bei diesen Kindern zu Magen-Darm-Beschwerden, Quaddelbildung auf der Haut (Urtikaria) oder sogar zum Anschwellen des Gesichts führen. Im Extremfall können Erstickungssymptome oder Kreislaufversagen („anaphylaktischer Schock“) auftreten. Hühnereiweißallergien sind jedoch meist wesentlich weniger dramatisch und gehen in der Regel eher mit leichten Unpässlichkeiten einher.

Häufigkeit
Etwa 1-2% der Kleinkinder sind betroffen. In manchen Familien ist ein gehäuftes Vorkommen zu beobachten. Besondere Vorsicht allerdings ist geboten, wenn Kinder bereits allergisch auf (hühnereiweißhaltige) Impfstoffe reagiert haben. Meist handelt es sich dabei jedoch eher um Überreaktionen auf Begleitstoffe wie Gelantine oder Neomycin.

Testergebnisse
Weniger Grund zur Sorge besteht hingegen, wenn lediglich ein RAST („radioallergosorbent“)-Test Hinweise auf eine Nahrungsmittelallergie gegen Ei ergab. Dies ist nicht gleichbedeutend mit einer Impfstoffallergie. RAST-Untersuchungen liefern nicht selten falsch positive Ergebnisse. Deutet der Test auf eine Allergie hin, werden jedoch Nahrungsmittel, die Ei enthalten (Kuchen, Kekse etc.), gut vertragen, so ist eher von einem falschen Testergebnis als von einer übersehenen Allergie auszugehen. Von der anderen Seite betrachtet ist auch nicht jede Hühnereiweißunverträglichkeit gleichbedeutend mit einer Allergie.

Impfstoffe
Unter anderem enthalten die folgenden Impstoffe Hühnereiweiß:

  • Masern-Mumps-Röteln-Impfstoffe (Zellkulturimpfstoff, Spuren von Hühnereiweiß)
  • Grippe-Impfstoff (geringe Restmengen an Hühnereiweiß.)
  • Gelbfieberimpfung (größere Mengen an Hühnereiweiß.)

Empfehlungen
 

Masern-Mumps-Röten-Impfung

  • Masern-Mumps-Röteln-Impfstoffe weisen sehr geringe Hühnereiweißmengen auf, so dass Kinder mit Allergien geimpft werden können. Zur Sicherheit können schwer an Allergie erkrankte Kinder, insbesondere wenn auch ein allergisches Asthma vorliegt, nach Impfung noch für 1- 1 ½ Stunden in der Praxis bleiben.

Grippe-Impfung

  • Bei Kindern, die nachweislich schwer allergisch auf Hühnereiweiß reagieren (Allergie vom Soforttyp) sollte vor einer Grippeimpfung eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Die Schutzwirkung der Impfung ist begrenzt. Im Zweifelsfall muss auf Impfung verzichtet werden.
  • In der Grippesaison 2016/17 standen die in Deutschland zugelassenen hühnereiweisfreien Influenzaimpfstoffe nicht zur Verfügung
    • Das Paul- Ehrlich- Institut (PEI) vermerkt: "Wird derzeit nicht hergestellt, keine zellbasierte Alternative verfügbar."(Stand 02.02.2017)
       

Gelbfieberimpfung

  • Hier ist eine besonders strenge Nutzen-Risiko-Abwägung nötig. Ist bei starken Hühnereiweiß-Allergikern eine Gelbfieberimpfung zwingend erforderlich, so ist eine sorgfältige Nachbeobachtung geboten, ggf. sogar in der Klinik. Im Zweifel sollte auf eine Reise in ein Gebiet mit Gelbfiebervorkommen verzichtet werden.

Quellen

  • Rolfe A, Sheikh A. Measles, mumps, and rubella vaccination in a child with suspected egg allergy. BMJ 2011; 343: d4536.
  • PINA online-Ratgeber

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