Gesundheit und Klimawandel

Einführung

Die Presse neigt oft dazu, Sachverhalte überspitzt darzustellen. Besonders Begriffe wie „Klima-Katastrophe“ oder „Klima-Apokalypse“ mögen geeignet sein, Menschen „aufzurütteln“ und zu mobilisieren, schüren aber gleichzeitig auch Ängste und erschweren die sachliche Diskussion (Nerlich 2009).

Dass das Klima Wandlungen unterliegt, ist unstrittig und die überwiegende Mehrzahl der Experten ist davon überzeugt, dass auch die vom Menschen produzierten Treibhausgase unser Klima beobachtbar beeinflussen: anthropogener Klimawandel. (McMichael 2006). Seit 1975 sind die globalen Durchschnittstemperaturen um 0,6°C gestiegen. Mit einer weiteren Zunahme der Temperaturen muss gerechnet werden. Schätzungen gehen von 1,4 bis 5,8°C bis zum Jahr 2100 aus (Diaz 2006). Nicht nur Journalisten, sondern auch manche Wissenschaftler sehen unsere Zivilisation bereits durch die in diesem Jahrhundert ins Haus stehenden Klimaveränderungen gefährdet (Jarvis 2011).

Genaue Vorhersagen über die Auswirkungen von Klimaveränderungen auf die Gesundheit sind aus den folgenden Gründen nicht möglich:

  • Klimaveränderungen werden durch viele Faktoren nicht-vorausberechenbar modifiziert.
  • Kosmische Einflüsse, die sich auf die Intensität der Strahlung oder auf die Drehung oder Umlaufbahn der Erde auswirken können, fluktuieren über sehr lange Zeiträume (Mio. Jahre) und sind in ihren kurzfristigen Auswirkungen, für Jahrzehnte und selbst für Jahrhunderte, nur schwierig kalkulierbar.
  • Es fehlen lineare Zusammenhänge zwischen Klimaveränderung und Gesundheit.
  • Menschen besitzen die Fähigkeit zur Akklimatisation und Adaptation.
  • Es besteht ein unvorhersehbarer Einfluss natürlicher Klimaschwankungen und -zyklen.
  • unterschiedliche Rechenmodelle liefern mitunter stark variierende Klima-Prognosen.
  • Es herrscht Unklarheit darüber, in welchem Maße Klimaveränderungen mit einer Zunahme von Katastrophen einhergehen würden.

Manches gehäufte Auftreten karibischer Hurrikane in den vergangenen Jahren war ein Phänomen im Rahmen normaler Klimazyklen. Ähnliches gilt auch für manche spektakuläre Hitzewelle und Ausbrüche moskitoübertragener Erkrankungen (Diaz 2006). Andere Phänomene, die eine mögliche Folge des Klimawandels sein könnten, wie Verknappung der Nahrungsmittelvorräte und Hungersnöte oder Massenmigrationen im Sinne einer „Völkerwanderung“, haben vielfältige Ursachen.

Mehr:

Die zur Zeit vorliegenden Daten zu Trends der Klimaentwicklung werden von vielen Ärzten als alarmierend bewertet (Godlee 2011, Jarvis 2011). Weitere Forschung sei dingend nötig, um die gesundheitlichen Folgen, insbesondere für Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsländern belastbar einschätzen zu können (Campbell-Lendrum 2011).

Moskitos/Zecken und Klimawandel

Erkrankungen, die durch Mücken oder Zecken übertragen werden, könnten sich jedoch bei ansteigenden Durchschnittstemperaturen geographisch weiter ausbreiten und an Häufigkeit zunehmen. Besonders eine Kombination aus Erwärmung und zunehmenden Niederschlägen könnte diesen Effekt haben.

Arbovirosen, also durch Insekten oder Zecken übertragene Viruskrankheiten könnten im Zuge einer globalen Erwärmung für die gemäßigten Klimazonen zunehmend relevant werden. Hierzu gehören unter anderem Denguefieber, West-Nil-Fieber, Rift-Valley-Fieber und das Rocky-Mountain-Fleckfieber. Einer Ausbreitung dieser Krankheiten wird ohnehin schon Vorschub geleistet durch zunehmende internationale Reiseaktivität, Welthandel und Verschiebung des menschlichen Lebensraums in (abgeholzte) Regenwaldgebiete. Bei vielen Arboviren spielen domestizierte oder halbdomestizierte Tiere als Zwischenwirte eine Rolle, die Erreger können dann z.B. durch Mücken vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Im Fall abgeholzter Regenwälder beispielsweise rücken die Lebensräume von Mensch und tierischen Zwischenwirten sehr eng zusammen und überschneiden sich sogar. Dies wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit von Kontakten mit dem Erreger. Auch klimatische Veränderungen können dazu führen, dass Mensch und Tier enger „zusammenrücken“. Beispielsweise suchen während Hitze- und Trockenperioden Überträgermücken verstärkt "Zuflucht" in menschlichen Behausungen und Gärten. 
(Weaver 2010)

Die „Nähe“ zwischen Mensch und Überträgermoskito wird vor allem durch das zum Teil explosive Bevölkerungswachstum in den Städten gefördert. Eine wirksame Eindämmung wird hier möglicherweise erst gelingen, wenn Impfstoffe, zum Beispiel gegen Dengue- oder Chikungunya-Fieber zur Verfügung stehen. (Weaver 2010) Auch mit einer Zunahme der Zeckenpopulationen in den gemäßigten Breiten wäre im Zuge des Klimawandels zu rechnen, was zu einem häufigeren Auftreten u.a. der Borreliose führen könnte. Die mögliche Ausdehnung der Verbreitungsgebiete einiger Erreger, die durch Mücken bzw. Zecken übertragen werden (West-Nil-Fieber, Krim-Kongo-Fieber und Rift-Valley-Fieber) wird im Rahmen des ARBO-ZOONET Projekts untersucht. (Ahmed 2009)  Neben den Malaria-übertragenen Anopheles-Mücken, den verschiedene Viruserkrankungen übertragenen Aedes aegypti-Mücken wurden auch der Einfluss von Klimaveränderungen auf die Verbreitung von Schmetterlingsmücken (Phlebotomen) untersucht. Phlebotomen übertragen Leishmanien, die Erreger der „Orientbeule“ und von Kala Azar. Außerdem das Pappataci-Virus, das im Mittelmeerraum, im Nahen/Mittleren Osten und in Nordindien vorkommt und zu einer grippeähnlichen, hochfieberhaften Erkrankung (Pappataci-Fieber) führen kann. In Berechnungsmodellen, die auf die Auswertung von Wetterdaten aus über 100 Wetterstationen in Südwestasien beruhten, zeigte sich, dass eine durchschnittliche Temperaturerhöhung um 3°C bei 6% der Standorte voraussichtlich eine ganzjährige Übertragung von Leishmanien bedingen würde. (Cross 1996) 

Nicht durch Mücken/Zecken übertragene Erkrankungen

Von den nicht durch Moskitos/ Zecken übertragenen Tropenkrankheiten wird vor allem für die Bilharziose eine Ausbreitung im Zuge des Klimawandels erwartet. Die Bilharziose wird durch mikroskopisch kleine Würmer (Pärchenegel, Schistosomen) hervorgerufen, die beim Baden in kontaminiertem Süßwasser die Haut durchdringen und zum Befall innerer Organe führen können. Etwa 600 Mio. Menschen leben schon heute in Regionen in denen ein Bilharzioserisiko besteht. Etwa 200 Mio. Menschen weltweit sind infiziert. Zwischenwirte, also quasi Reservoire der Schistostosomen sind Süßwasserschnecken. Erfahrungen aus Ägypten zeigten, dass die Erreger in den Schnecken während kälterer Winter oft nicht überleben. (Cook 1992)

Auch andere Erreger von Tropenkrankheiten, z.B. Filarien, werden bei niedrigeren (also nicht-tropischen) Temperaturen nicht mehr übertragen und vice versa.(Laaksonen 2010) Auch durch Schmierinfektionen oder über kontaminiertes Wasser übertragene Erreger wie Enteroviren könnten in den gemäßigten Klimazonen bei ansteigenden Temperaturen gehäuft auftreten. Ein Zusammenhang von ansteigenden Durchschnittstemperaturen und zunehmendem Auftreten von Herpangina und Hand-Fuß&Mundkrankheit konnte in Modellrechnungen am Beispiel von Tokio aufgezeigt werden. (Urashima 2003)

Die Kombination von höheren Temperaturen, erhöhter Luftfeuchtigkeit und gehäuften Niederschlägen erleichtert die Übertragungsbedingungen von Noroviren (Erreger heftiger Brechdurchfälle). (Bruggink 2010). Höhere Durchschnittstemperaturen in den gemäßigten Breiten können auch zu idealen Vermehrungsbedingungen für Nagetiere führen. Dies gilt vor allem für besonders warme Herbstmonate. Dies wiederum erleichtert die Ausbreitung von Erregern, die über die Ausscheidungen von Mäusen übertragen werden, also insbesondere von Hantaviren. (Clement 2009)

Malaria und Klimawandel

Die Verteilung und Ausbreitung der Malaria wird von den Klimabedingungen, vor allem durch Temperatur, Zahl der Regentage, Niederschlagsmenge, relativer Luftfeuchtigkeit und Windverhältnisse beeinflusst. (Thomson 2010) Allerdings existieren hier manche falsche Vorstellungen. Es ist keineswegs so, dass Malaria von vornherein auf die Tropen oder Subtropen beschränkt wäre. Beispielsweise trat Malaria zwischen 1860 und 1920 sogar in Norwegen auf. Auch ist es im Sommer in Südeuropa mindestens genauso warm wie zur wärmsten Jahreszeit in den Tropen. Der Unterschied zu den Tropen liegt eher darin, dass wir in Europa kalte Winter haben. Auch jetzt schon, völlig unabhängig von einem Klimawandel könnte Malaria unter den folgenden Bedingungen den Sommer über in Europa heimisch werden.

  • zahlreiche unbehandelte Malariapatienten (in Europa werden Malariafälle jedoch meist sehr schnell behandelt)
  • Stiche durch Anopheles Mücken (nicht überall heimisch und nur ein Zehntel der 400 Anopheles Arten ist fähig, Malaria zu übertragen) Die meisten Mückenstiche rühren von gewöhnlichen Stechmücken her.
  • bei insgesamt großer Häufigkeit von Anopheles Mücken (z.B. Zunahme der potenziellen Mückenbrutstätten durch Ausweitung der Feuchtgebiete)

Diese Szenario ist jedoch unwahrscheinlich und ließe sich zumindest bezogen auf kleinere Landstriche schnell wieder revidieren, vor allem durch Mückenbekämpfung, Trockenlegung von Mückenbrutstätten und effektiver Behandlung der Malariapatienten. Infizierte Mücken sind schließlich keine Zugvögel, sondern haben nur einen beschränkten Bewegungsradius, von meist nur wenigen Kilometern.

Jedoch wäre es auch eine falsche Vorstellung, dass Mücken bzw. deren Larven den Winter generell nicht überleben könnten. Woher kämen sonst die vielen Mücken im Sommer? Auch ist über Malariaübertragungen bei Temperaturen von unter -40°C berichtet worden. Die Überträgermücke war in den feucht-warmen Innenräumen eines Hauses heimisch geworden.

Wesentlich für die Etablierung der Malaria in einer Region sind geringe tageszeitliche Temperaturschwankungen. Unter einer Tagesmitteltemperatur versteht man den Mittelwert von jeweils zur vollen Stunde gemessenen Temperaturen über einen Zeitraum von 24 Stunden. Günstig sind Tagesmitteltemperaturen ab 22°C. Hier kann sich der Malariaerreger in der infizierten Mücke gut vermehren. Je niedriger die Tagesmittelwerte absinken, umso länger brauchen die Parasiten in der befallenen Mücke für ihren Vermehrungszyklus. Ab einem gewissen Punkt übersteigt dann die Dauer des Vermehrungszyklus der Malariaparasiten die Lebensdauer der Überträgermücken. Sinken die Temperaturen in der Nacht zu weit ab, besonders auf Werte unter 10°C so sind weder die Vermehrungsbedingungen für die Moskitos, noch die Bedingungen für die Vermehrung der Erreger in den Moskitos ideal. Optimal sind die Vermehrungsbedingungen bei Tagesmitteltemperaturen von über 26°C, was der Situation beispielsweise im Tropengürtel Afrikas entspricht. (Paaijmans 2009, Reiter 2008) Eine Erhöhung der Tagesmitteltemperaturen in bereits relativ trockenen und warmen Klimazonen könnte jedoch infolge zunehmender Austrocknung die Lebensbedingungen für Überträgermoskitos verschlechtern und damit regional die Häufigkeit der Malaria verringern. (McMichael 2006) Auch während einer Trockenphase kann sich das Malariarisiko erhöhen, da hierdurch beispielsweise ein Fluss durch zahlreiche Tümpel ersetzt werden kann. Diese Tümpel wiederum bieten wesentlich bessere Bedingungen für die Vermehrung der Überträgermücken als ein fließendes Gewässer. (Haque 2010)

Im Zuge des Klimawandels werden in Deutschland für das Jahr 2100 durchschnittlich Erhöhungen der Tagesmitteltemperatur um 1,8-2,3°C erwartet. Hieraus würde die Zeitspanne im Jahr innerhalb derer Malariaübertragungen in Deutschland theoretisch vorstellbar wären, also Tagesdurchschnittstemperaturen von mindestens 22 Grad herrschen, verlängern. In ihren Feinheiten sind die Beziehungen zwischen Temperatur, Überträgermücke und Malariaausbreitung komplex. Sollte sich die Situation in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten ungünstig verändern, so kämen neben der hier ohnehin selbstverständlichen zügigen Behandlung von Malariapatienten (die ihre Erkrankung beispielsweise aus dem Urlaubsland mit nach Deutschland gebracht haben) eventuell noch zusätzliche Maßnahmen zur Mückenbekämpfung infrage. Womit auch unter den Bedingungen des Klimawandels nicht zu befürchten wäre, dass die Malaria in Deutschland heimisch wird.

El Niño- und La Niña-Klimaphänomene
Die folgenden Länder gelten als besonders vulnerabel im Hinblick auf ansteigende Meeresspiegel: Bangladesch, Ägypten, Indonesien, Pakistan und Thailand. Betroffen wären damit vor allem Länder mit einem großen Anteil an armen Bevölkerungsschichten. (Haines 1991) Überschwemmungen können u.a. das Risiko für Erkrankungen wie Cholera erhöhen, die mit einer Verschlechterung der hygienischen Bedingungen einhergehen. Abgesehen von einer Erhöhung des Meerwasserspiegels würden vor allem starke Niederschläge vermehrt zu Überschwemmungen führen (Rodó 2002, Hashizume 2011). Im Anschluss an das El Niño Klimaphänomen findet sich oft ein Ereignis, das La Niña („das Mädchen“) genannt wird. Hierbei treffen Luftmassen mit erheblicher Luftdruckdifferenz zwischen Südamerika und Indonesien aufeinander. Hieraus resultieren verstärkte Passatwinde und eine veränderte äquatoriale Luftzirkulation. Vom Passat wird warmes Oberflächenwasser in Richtung Südostasien getrieben. Dies wiederum begünstigt heftige Regenfälle, die wiederum zu Erdrutschen führen können. In wie weit die natürlichen Klimaphänomene El Niño und La Niña durch den anthropogenen Klimawandel beeinflusst werden, ist bislang noch nicht abzuschätzen. Einflüsse auf Ernten, Fischerei und Trinkwasserversorgung lassen sich nicht ausschließen, aber auch nicht quantifizieren. (McMichael 2006) Das La Niña Phänomen kann einen Einfluss auf die Häufigkeit von Krankheiten haben, die durch Mücken übertragen werden. So fand sich während der La Niña Perioden eine statistisch signifikante Zunahme von Denguefieber-Erkrankungen in Venezuela. (Herrera-Martinez 2010) Insgesamt bieten Regionen, die gehäuft von Hurrikanen heimgesucht werden, günstige Bedingungen für Darminfektionen und für Moskito-/ Zecken-übertragene Erkrankungen. Auch Krankheiten, deren Erreger (z.B. Hantaviren, Leptospiren, V. vulnificus) durch die verletzte oder unverletzte Haut eindringen, könnten zunehmen. Während El Niño-Phasen wurde in Peru eine Zunahme viraler Hauterkrankungen beobachtet. (Gutierrez 2010) Bei Überschwemmungen durch ansteigende Meeresspiegel muss auch damit gerechnet werden, dass Anpassungsmechanismen auf Seiten der Moskitos greifen. Überträgermücken, deren Larven zuvor nur im Süßwasser überlebten, könnten durch Selektionsprozesse zunehmend in die Lage versetzt werden, auch Wasser mit höherem Salzgehalt (Brackwasser) als „Brutstätten“ zu nutzen. (Ramasamy 2011)

Ozon-Depletion
Treibhausgase wie Fluorkohlenwasserstoffe können den natürlichen Treibhauseffekt, ohne den wir eine lebensfeindliche globale Durchschnittstemperatur von -18°C auf der Erde hätten, zusätzlich verstärken. Ein weiterer Effekt von Fluorkohlenwasserstoffen ist die Verringerung der Ozonkonzentration in der Atmosphäre. Dies führt zu einer erhöhten Durchlässigkeit für UV-Strahlung. Das „Ozon-Loch“ über der Antarktis wurde im Jahr 1985 beobachtet. Unter einer erhöhten UV-Belastung finden sich gehäuft Sonnenbrände, beschleunigte Hautalterung, Lichtschäden wie aktinische Keratose, bestimmte Hautkrebsformen (Basaliom, Spinaliom, evtl. Melanom) und Katarakte (grauer Star). Auch kann eine massive UV-Einwirkung das Immunsystem „dämpfen“ und so zu einer erhöhten Anfälligkeit für virale Atemwegsinfekte führen. Auch im ökologischen Zusammenhang ist die UV-Aktivität relevant. UV-B-Licht schädigt Plankton und kann so zu Veränderungen innerhalb der Nahrungskette führen.Weniger Plankton bedeutet geringere Fischpopulationen, was wiederum bedeuten könnte, dass eine wichtige Eiweißquelle für die menschliche Ernährung vermindert zur Verfügung stünde. Ungefähr 40% des gesamten Eiweisbedarfes der Weltbevölkerung wird über Fischprotein gedeckt. Die Kombination von verminderter Eiweiszufuhr und eingeschränkter Immunfunktion könnte günstige Bedingungen für Masern-, Grippe- oder Keuchhustenepidemien schaffen. Vor allem in Bevölkerungen, die keinen ausreichenden Impfschutz aufweisen. (Diaz 2006)

Tektonische und vulkanische Aktivitäten
Aus zunehmenden globalen Durchschnittstemperaturen resultiert das häufig zitierte „Abschmelzen der Polkappen“, anders formuliert, es schmilzt mehr Eis ab als dass neues Eis entsteht. 
Hierdurch wird die Eislast auf den darunter liegenden tektonischen Platten vermindert Die abschmelzenden Polkappen bedingen ein größeres Gewicht der Ozeane. Das verminderte Gewicht der Pole und das zunehmende Gewicht der Ozeane übt eine Art Hebeleffekt auf die tektonischen Platten aus. Die Kombination dieser und anderer geophysikalischer Kräfte kann schlummernde Vulkane aktivieren sowie Erdbeben und Tsunamis begünstigen.(Diaz 2006)

Isolierte Effekte der Temperatur
Eine Änderung der Durchschnittstemperaturen hätte in Mitteleuropa sowohl negative als auch positive unmittelbare Gesundheitseffekte. Bewegt man sich auf einer Temperaturskala von -5°C in Richtung 25°C, so finden sich mit zunehmend höheren Temperaturen signifikant weniger herzbedingte Todesfälle. In den Regionen in denen bereits hohe Durchschnittstemperaturen herrschen, führt ein weiterer Temperaturanstieg jedoch zu einer erhöhten Sterblichkeit, besonders in den älteren Bevölkerungsteilen.(Haines 1991) In dem Sommer 2003, in dem in Teilen Frankreichs Temperaturen von 40°C erreicht wurden, wurde die Hitze ursächlich für mehr als 14.000 Todesfälle angesehen. Betroffen waren auch hier überwiegend Ältere und Patienten mit Gefäßerkrankungen (koronare Herzkrankheit, Schlaganfälle).
Höhere Durchschnittstemperaturen hätten nicht nur direkte Effekte auf die Gesundheit, sondern würden auch die Waldbrandgefahr erhöhen, was bei einem großflächigen Brandgeschehen zu Belastungen der Atemwege (z.B. mit gehäuften Asthmaanfällen) führen würde. (Diaz 2006)

Maßnahmen
Nach Einschätzung der EU müsste die weltweite Freisetzung von CO2 bis 2050 um fast 50% gegenüber dem Stand von 1990 vermindert werden, um die Erderwärmung auf durchschnittlich 2°C zu beschränken. 
Die EU verfolgt die folgenden Strategien, um dieses Ziel zu erreichen

  • Verbesserung der Energieeffizienz in der EU um 20% bis 2020
  • Erhöhung des Anteils der erneuerbaren Energien auf 20% bis 2020
  • Abscheidung und (unterirdische) Speicherung von Kohlendioxid
  • Ausbau und Stärkung des Emissionshandelssystems der EU, u.a. Einbeziehung des Luftverkehrs
  • Verringerung anderer relevanter "Klimagase", z.B. Methan

Auf internationaler Ebene sieht die EU die folgenden Einflussmöglichkeiten/ Chancen

  • Selbstverpflichtung der Industrieländer, die Emission von Treibhausgasen um 30% (bez. auf 1990) zu senken
  • Entwicklungsländer sollten spätestens ab 2020 beginnen, ihre Emissionen zu senken
  • Subventionierung der Nutzung alternativer Energiequellen in Entwicklungsländern
  • Einführung von Emissionshandelsystemen für bestimmte Industriesektoren
  • internationale Zusammenarbeit im Bereich umweltfreundlicher Technologien

Immer mehr Menschen planen auch ihre Reisen nach  ökologischen Gesichtspunkten. Mit Hilfe eines CO2-Rechners kann jeder Reisende feststellen, wie sehr die geplante Flugreise ökologisch zu Buche schlägt. 

Fazit
Der wissenschaftliche Nachweis von Klimaveränderungen erlaubt uns zweierlei. Zum einen dort, wo es möglich ist, gegenzusteuern, und dort wo Änderungen unvermeidlich sind, frühzeitig Anpassungsstrategien zu entwickeln. Und der Mensch - wenn er bereit ist, über den individuellen Tellerrand hinweg zu schauen und sich effektiv mit anderen Menschen zu vernetzen - ist eine der anpassungsfähigsten Lebensformen auf unserem Planeten.

Quellen

  • Ahmed J, Bouloy M, Ergonul O, et al. International network for capacity building for the control of emerging viral vector-borne zoonotic diseases: ARBO-ZOONET. Eurosurveillance 2009, 14 (12). www.eurosurveilance.org.
  • Bruggink LD, Marshall JA. The Incidence of norovirus-associated gastroenteritis outbreaks in Victoria, Australia (2002-2007) and their relationship with rainfall. Int J Environ Res Public Health 2010; 7: 2822-2827.
  • Campbell-Lendrum D et.al.: Health and climate change: a roadmap for applied research, The Lancet  2009, 373(9676):1663-1665
  • Clement J, Vercauteren J, Verstraeten WW, et al. Relating increase hantavirus incidence to the changing climate: the mast connection. International Journal of Health Geographiscs 2009; 8: 1 doi: 10.1186/1476-072X-8-1.
  • Cook GC. Effekt of global warming on the distribution of parasitic and other infectious diseases: a review. Journal of the Royal Society of Medicine 1992; 85: 688-691.
  • Cross ER, Hyams KC. The Potential Effect of Global Warming on the Geographic and Seasonal Distribution of Phlebotomus papatasi in Southwest Asia. Environmental Health Perspectives 1996; 104: 724-727.
  • Diaz JH. Global Climate Changes, Natural Disasters and Travel Health Risks. Journal of Travel Medicine 2006; 13: 361-372.
  • Godlee F: How on earth do we combat climate change? BMJ 19.10.2011, Cite this as: BMJ 2011;343:d6789
  • Gutierrez EL, Galarza C, Ramos W, et. al. Influence of climatic factors on medical attentions of dermatologic diseases in a hospital of Lima, Peru. An Bras Dermatol 2010; 85: 461-8.
  • Haines A. Global warming and health. BMJ 1991; 302: 669-670.
  • Haque U, Hashizume M, Glass GE, et al. The Role of Climate Variability in the Spread of Malaria in Bangladeshi Highlands. PloS ONE 5 (12): doi:10.1371/journal.pone.0014341.
  • Hashizume M, Faruque ASG, Terao T, et al. The Indian Ocean Dipole and Cholera Incidence in Bangladesh: A Time-Series Analysis. Environ Health Perspect 2011; 119: 239-244.
  • Herrera-Martinez AD, Rodriguez-Morales. Potential influence of climate variability on dengue incidence registered in a western pediatric hospital of Venezuela. Tropical Biomedicine 2010; 27: 280-286.
  • Jarvis L, Montgomery H, Morisetti N, Gilmore I. Climate change, ill health, and conflict. BMJ 2011; 342:d1819
  • McMichael AJ, Woodruff RE, Hales S. Climate change and human health: present and future risks. Lancet 2006; 367: 859-69.
  • Nerlich B. „The post-antibiotic apocalypse“ and the war on superbugs“: catastrophe discourse in microbiology, its rhetorical form and political function. Public Understand Sci 2009; 18: 574-590.
  • Paaijmans KP, Read AF, Thomas MB. Understanding the link between malaria risk and climate. PNAS 2009; 109: 13844-13849.
  • Reiter P. Global warming and malaria: knowing the horse before hitching the cart. Malaria Journal 2008; 7 (Suppl I): S3.
  • Rodó X, Pascual M, Fuchs G, Faruque. ENSO and cholera: a nonstationary link related to climate change? PNAS 2002; 99: 12901-1206.
  • Laaksonen S, Pusenius J, Kumpula J, et al. Climate change promotes the emergence of serious disease outbreakts of filarioid nematodes. Eco Health 2010; 7: 7-13.
  • Ramasamy R, Surendran SN. Possible impact of rising sea levels on vector-borne infectious diseases. BMC Infectious Diseases 2011, 11:18.
  • Thomson AJ. Climate indices, rainfall onset and retreat, and malaria in Nigeria. J Vector Borne Dis 2010; 47: 193-203.
  • Urashima M, Shindo N, Okabe N. Seasonal models of herpangina and hand-foot-mouth disease to simulate annual fluctuations in urban warming in Tokyo. Jpn J Infect Dis 2003; 56: 48-53.
  • Weaver SC, Reisen WK. Present and future arboviral threats. Antiviral Res 2010; 85: 328. doi:10.1016/j.antiviral.2009.10.008.

Links

MD Medicus Imagevideo

 
  1. MD Medicus
  2. Gesundheitsberatung & Pflegeassistance
  3. Haus-Service & Telemedizin
  4. Versorgungs- & Reha-Management
  5. International Beraten / Reisebüro / Dolmetscher Service
  6. Reise- & Tropenmedizin
  7. Medical Service Balear
  8. Auslands- & Firmenassistance