Die interessante Frage: Zikavirus-Risiko in Ländern ohne offizielle Warnung? Labortest, ja oder nein?

Unter der Rubrik "Die interessante Frage" zeigen wir Ihnen auszugsweise und anonymisiert spannende Fragestellungen, mit denen wir in unserer täglichen Praxis konfrontiert sind sowie unsere Antworten darauf. Die Darstellung der Frage und unserer Antwort darauf erfolgt ggf. in leicht modifizierter Form.

 
 

Ihre Frage:

... Da Belize offiziell (noch) keine Zika-Fälle gemeldet hat und nicht auf der WHO-Liste vermerkt ist, überlegen wir, wie sich das Risiko in Belize darstellt. Auf der einen Seite möchten wir gerne nach Belize reisen, auf der anderen Seite kein Risiko für eine zukünftige und zeitnahe Schwangerschatt eingehen. Wie schätzen Sie das Riskiko in Belize bzgl der Infektion mit den Zika-Virus und einer möglichen zeitnahen Schwangerschaft ein?

 

Unsere Antwort:

Die epidemiologische Situation in Lateinamerika ist äußerst volatil. Auch für andere Teile der Welt trifft dies zu,  zum Beispiel für etliche Südsee-Inseln im Pazifik.

Unserer Einschätzung nach muss in Ländern, die benachbart zu Ausbruchsgebieten liegen, sofern dort ähnliche klimatische Bedingungen und vergleichsweise ähnliches Mückenvorkommen herrscht, damit gerechnet werden, dass jederzeit ein ergänzender Warnhinweis durch das Auswärtige Amt gegeben werden kann. Dies war zum Beispiel der Fall für:
 

  • Marshall-Inseln: In der Region, inklusive der Marshall-Inseln, wird aktuell eine deutliche Zunahme Zikavirus-Infektionen beobachtet. Am 29.02.2016 haben die Marshallinseln deshalb den Gesundheitsnotstand ausgerufen. (AA 11.03.)
  • St. Vincent und die Grenadinen: In der Region, inklusive St. Vincent und den Grenadinen, wird aktuell eine deutliche Zunahme von durch Mücken übertragbaren Zikavirus-Infektionen beobachtet. (AA 15.03.)

Aus diesem Grund kann unserer Einschätzung nach nicht davon ausgegangen werden, dass sich die Risikobewertung für Belize nicht  kurzfristig in Richtung erhöhtes Risiko, vergleichbar mit der Situation in den Nachbarländern ändern könnte.
UPDATE: Genau dies ist inzwischen bereits seit Längerem der Fall. (Stand 16.09.)

Für Aufenthalte in bekannte Zika-Risikogebiete gelten u.a. die folgenden Hinweise und Empfehlungen (über mögliche Änderungen sollten Reisende sich über die Medien und das Auswärtige Amt informiert halten): 
 

Hinweis des Auswärtigen Amtes: Zikavirus-Infektionen

  •     "In der Region wird aktuell eine deutliche Zunahme von durch Mücken übertragbaren Zika-Virus-Infektionen beobachtet, die für ungeborene Kinder eine Gefahr darstellen können. Das Auswärtige Amt empfiehlt daher Schwangeren und Frauen, die schwanger werden wollen, in Abstimmung mit der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) sowie dem Robert-Koch-Institut von vermeidbaren Reisen in Zika-Virus-Ausbruchsgebiete abzusehen, da ein Risiko frühkindlicher Fehlbildungen bei einer Infektion der Frau gegeben ist."
  • "Alle Reisende sollten unabhängig davon,ob auf der Reise oder kurz danach Symptome einer möglichen ZIKV-Infektion (z.B. Fieber, Hautauschlag, Gelenkschmerzen) aufgetreten sind,nach Rückkehr aus den ZIKV-Ausbruchgebieten ihre Sexualpartner für die Dauer von mindestens 6 Monaten durch Kondomgebrauch schützen. Frauen sollten konsequenterweise in dieser Zeit auf eine Schwangerschaft verzichten." (Merkblatt Zikavirus-Infektionen, September 2016)

     

WICHTIG: Details zur Zikavirus-Diagnostik (Bernhard-Nocht-Institut)

 

Zu der öfters gestellten Frage zum Nutzen einer routinemäßigen Testung von symptomfreien Reisenden auf vorhandene oder durchgemachte Zikavirusinfektion HIER unsere derzeitige Einschätzung bzw. Reflektion der gegenwärtigen Empfehlungslage:

Die Frage nach einer Testung auf Zikaviren, wie sie von Lateinamerika- oder Südseereisenden zuweilen gestellt wird,  ist nachvollziehbar. Dass das Auswärtige Amt und nationale wie internationale "Seuchenbehörden" hier bislang keine pauschale Empfehlung für die Testung von Süd- und Mittelamerikareisenden ausgesprochen haben, hat andererseits ebenfalls nachvollziehbare Gründe.

Was will man testen? Der direkte Erregernachweis im Blut gelingt nur innerhalb eines kurzen Zeitfensters, danach lässt sich im Blut nicht mehr viel finden.

Der indirekte Erregernachweis durch Antikörperkontrollen würde im besten Fall, die Aussage erlauben, dass man einmal mit dem Erreger in Kontakt gekommen ist, u.U. - je nach Untersuchung - vielleicht vor Jahren. Auch hier gilt ein Antikörpernachweis ist nur sehr begrenzt aussagekräftig. Hier wären bei umfangreichen Screening-Untersuchungen aller Reiserückkehrer sowohl falsch positive wie auch falsch negative Befunde möglich, mit entsprechender unnötiger Verunsicherung der Reisenden.

Wo man das Virus relativ lange (wenn auch teuer und aufwändig) direkt nachweisen kann, ist im Sperma. Routinemäßige teure und aufwändige Sperma-Untersuchungen bei zigtausenden Reisenden durchzuführen, das muss man sich gut überlegen, ob man dies will bzw. ob dies realisierbar ist, bei den wenigen Referenzlaboren, die es in Deutschland gibt.

Hinzu kommt die Frage, welche Konsequenzen hätte ein positiver Befund? Man müsste dann entsprechend regelmäßig den Test zwecks Verlaufskontrolle wiederholen.

Bislang ist die Empfehlung, Mückenschutz zu beachten sowie während und zwei Monate nach dem Aufenthalt Kondome (in Verbindung mit einer sicheren Methode der Empfängnisverhütung)  zu verwenden und im Falle einer Schwangerschaft die Gynäkologin auf den früheren Aufthalt in einem Risikogebiet hinzuweisen, aus epidemiologischer Sicht zielführender.

Man weiß bis dato noch nicht, in welchem exakten Zusammmenhang die Zikaviren mit den Fehlbildungen stehen. Es scheint einen deutlichen statistischen Zusammenhang zu geben, das heißt jedoch nicht, dass die Zikaviren die alleinige Ursache sein müssen. Die nächsten Jahre werden mehr Klarheit und noch besser an die Situation angepasste Empfehlungen bringen. Zum jetzigen Zeitpunkt scheinen uns die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation, der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und des Auswärtigen Amtes jedoch der Situation angemessen zu sein.

 

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