Die interessante Frage: Hundebiss in Südamerika - Rückführung nach D nötig?

Unter der Rubrik "Die interessante Frage" zeigen wir Ihnen auszugsweise und anonymisiert spannende Fragestellungen, mit denen wir in unserer täglichen Praxis konfrontiert sind sowie unsere Antworten darauf. Die Darstellung der Antwort erfolgt ggf. in leicht modifizierter Form.

Ihre Frage:

 

  • (Vorgeschichte:) Hundebiss auf offener Straße in einer südamerikanischen Stadt. Ausgedehnte Bissverletzungen durch ein unprovoziert aggressives Tier. Antibiotikaprophylaxe und chirurgische Wundversorgung sind erfolgt. Ausreichender Tetanus-Impfschutz besteht. Durchführung einer zeitnahen nachträglichen Tollwutimpfung im Aufenthaltsland selber ist bedauerlicherweise nicht möglich. Ist es nun besser, die anstehende nachträgliche Tollwutimmunisierung in der Hauptstadt eines benachbarten Landes durchführen zu lassen oder (Flugreisetauglichkeit vorausgesetzt) gleich zurück nach Deutschland zu fliegen?

     

 

Unsere Antwort:
(als Kurzdarstellung in Form einer Checkliste)

Hinsichtlich der empfohlenen postexpositionellen Tollwutprophylaxe (also der Impfung eines zuvor Ungeimpften nach verdächtigem Biss) sollten vor Ort die folgenden Punkte gewährleistet sein, um als Alternative zu Deutschland infrage zu kommen:

1. Bereitschaft der Ärzte der jeweiligen Klinik im Nachbarland klären, die Impfung dann auch tatsächlich durchzuführen.

2. Durchführung nach dem in Deutschland (Robert Koch-Institut) und international (WHO) empfohlenem Impfschema:

- Simultan: Tollwuthyperimmunglobulingabe (Antikörperpräparat, Berechnung nach Körpergewicht) am Tag 0 UND aktive Impfung an den Tagen 0, 3, 7, 14, 28.

- Verwendung von Impfstoffen und Seren, die westlichem Standard entsprechen: humanes(!!!) Tollwuthyperimmunglobulin von einem internationalen Hersteller UND Impfstoff zur aktiven Immunisierung auf der Basis von Zellkulturen (Zellkulturimpfstoff, human oder "chicken"), ebenfalls von einem internationalen Hersteller.

- KEINESFALLS Verwendung eines Tollwutimpfstoffs mit der Angabe "tissue-derived", also KEINEN Tollwutgewebeimpfstoff verwenden, z.B. aus dem Rückenmark von Kaninchen gewonnene Präparate, o.Ä.

 

Bildquelle: Kottmeier

 

- Möglichst KEINE Anwendung von Tollwutimmunglobulin, das aus Pferdeserum gewonnen wurde. Die neueren Pferdeserumpräparate gelten zwar als nicht schlecht wirksam und verträglich, aber Standard in Deutschland wäre die Gabe von humanem Tollwutimmunglobulin

- Sofern möglich, darauf achten, dass keine Präparate mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum verwendet werden (bes. wichtig bei Immunglobulinpräparaten) sowie, dass sich die Klinik für die Einhaltung der Kühlkette verbürgt.
 

3. Bei ausgedehnteren Verletzungen sollte vor Ort auch eine optimale (chirurgische) Wundbehandlung möglich sein. Im Zweifelsfall hat der zeitnahe Beginn der Tollwut-Immunisierung nach erfolgter Erstversorgung der Wunde jedoch Vorrang.
 

4. Die gelegentlich "gehandelten" 10-Tagesfristen zur Beobachtung des Hundes sind mit Skepsis zu sehen. Die Beobachtung eines verdächtigen Tieres über zehn Tage kann zwar sehr sinnvoll, wäre aber kein Grund, den Beginn der Tollwutimpfung zu verzögern. Angaben bzgl. möglicher Tollwutimpfungen beim Hund sowie Angaben zum aktuellen Gesundheitszustand des Tieres durch den Besitzer sind nicht immer zuverlässig.
 

5. Die zeitnahe Durchführung der Tollwutimpfung hat eine hohe Priorität. Sollte jedoch die Qualität der Versorgung im Nachbarland nicht gewährleistet sein (s.o.), so müsste eine Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen (u.U. besser Durchführung der Impfung in D mit geeigneten Impfstoffen, dafür aber etwas später, als frühe Durchführung mit ernsthaften Zweifeln an der Qualität der Versorgung).
 
Auch bei guter Qualität der Versorgung im Nachbarland, wäre ggf. zu prüfen, ob nach Beginn der Tollwutimpfungen die weitere Wundversorgung und Fortführung der Immunisierung besser in D stattfinden sollte.

Fazit:

Bei verdächtigen Kontakten mit Säugetieren im Ausland (insb. nach Bissen oder bei Kratzverletzungen) wird dringend empfohlen, sich stets zusätzlich zur Versorgung vor Ort auch an einen Arzt des Heimatlandes zu wenden. Eine parallele Beratung durch einen Arzt des Auslandskrankenversicherers und durch einen Arzt in einem spezialisierten Zentrum (Institute für Tropenmedizin o.Ä.) kann sinnvoll sein. Die in vielen ärmeren Ländern gängige Praxis im Umgang mit tollwutverdächtigen Verletzungen weicht oft erheblich von den internationalen Empfehlungen ab. Auch Aussagen der Ärzte im Reiseland über das Vorkommen und die Häufigkeit der Tollwut in der jeweiligen Region sind nicht immer verlässlich, u.a. aufgrund nicht immer optimal funktionierender Meldesysteme.

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