Die interessante Frage: Familienbesuch in Nordthailand - mit Kleinkind

Unter der Rubrik "Die interessante Frage" zeigen wir Ihnen auszugsweise und anonymisiert spannende Fragestellungen, mit denen wir in unserer täglichen Praxis konfrontiert sind sowie unsere Antworten darauf. Die Darstellung der Antwort erfolgt ggf. in leicht modifizierter Form.

 

 
 

Ihre Frage:

...möchte mich gerne bei Ihnen nach Empfehlungen zum Impfschutz für unser Kind (Alter: <2 Jahre) im Hinblick auf eine anstehende Reise nach Thailand erkundigen (sinnvoller Impfschutz, Mindestalter etc.). Rahmendaten: Dauer: 4 Wochen, Regionen u.a. Nordwest-Thailand. Besuch bei der Familie der Ehefrau.

 

Unsere Antwort:

[Gesondert zur allgemeinen Impfberatung, konnte unser Mitarbeiter vor Ort, Dr. M. Pastoors (derzeit in Chiang Mai), interessante Erfahrungen und Tipps aus erster Hand beisteuern. Redaktionelle und inhaltliche Bearbeitung durch Dr. M. Günther.]

 

Gerade aufgrund der ausgeprägten kulturellen Unterschiede zwischen Mitteleuropa und den ländlichen Regionen Nord-Thailands kann ein Besuch bei den Schwiegereltern sehr sinnvoll sein, um seine Frau noch besser zu verstehen, ihre Denkweise und Wurzeln. Das Leben vor Ort mag anfänglich nicht so einfach sein, allerdings kann man gut vorsorgen. Meist gibt es eine Kleinstadt nicht weit weg und dort sollte man dann Trinkwasser für einige Tage kaufen. Das ist am wichtigsten. Wenn ich dort krank werde, dann hatte das bisher immer damit zu tun, dass ich beim Trinkwasser nicht konsequent genug geblieben bin. Oft will man nicht unhöflich sein, wenn man etwas angeboten bekommt. Bei Wasser aber immer höflich ablehnen. Das Essen ist in der Regel gut und sicher, Vorsicht bei rohem Gemüse und Salat. Gegebenenfalls sollte man sich nach der Reise den Stuhl auf Parasiten untersuchen lassen.
 

Bildquelle: Denis Zimmer

Ich habe oft sogar Wochen in diesen Dörfern verbracht und hatte mehr positive als negative Erlebnisse. Was man z.B. bei den Bergvölkern wissen muss, ist dass dort in der Regel einfach auf dem Boden geschlafen wird. Auch wenn eine Matratze da wäre, sie benutzen sie nicht. Wenn man das nicht gewohnt ist, dann tun die Knochen am Morgen schon weh. Überhaupt gibt es kaum Möbel; die Menschen sitzen in der Regel auf dem Boden. Bei Besuchen wird dann der einzige Stuhl des Dorfes für den Gast gesucht. Oft gibt es keinen Strom, sodass auch kein Ventilator genutzt werden kann. Das ist in der heißen Jahreszeit (April-Juni) ein Problem.

In der niederschlagsarmen Zeit (Januar bis Mai) können der Bach/Fluss, wo man sich wäscht, wenig Wasser führen und stärker verdreckt sein Bei Kontakt mit sehr langsam fließendem Fluss- oder Seewasser könnte u.U. ein Bilharziose-Risiko bestehen. Bilharziose tritt in Nordwest Thailand allerdings so gut wie nicht auf – eher entlang des Mekong, vor allem ganz im Osten.

Wenn der Kontakt mit Fluss- oder Seewasser in den Risikogebieten nicht vermeidbar ist, dann kann ggf. eine Nachuntersuchung in Deutschland einige Wochen nach der Rückkehr erfolgen.
 

Von November bis (etwa) Mitte Februar kann es sehr kalt werden, aber vor Kälte kann man sich schützen. Die Flüsse führen dann meist noch ausreichend Wasser, die Malaria-Gefahr ist geringer und die Natur ist noch grün. Es ist die beste Zeit für den Besuch. Allerdings Vorsicht ist geboten mit Kleinkindern. Die Küche, mit dem offenen Feuer, ist dann oft der wärmste Platz. Es gibt aber keinen Schornstein. Neben der Gefahr des offenen Feuers ist deshalb auch das Risiko einer Rauchvergiftung gegeben.

Bei den Impfungen sollte natürlich insbesondere Tollwut, Hepatitis A und B, Typhus berücksichtigt werden. Die Impfung gegen Japanische Enzephalitis besonders für den Nordosten und generell in ländlichen Gebieten (Übernachtungen in der Nähe von Reisfeldern oder Schweinefarmen).

Ist die Ehefrau von einem Bergvolk, dann stellt sich das Problem der Malaria. Gerade in den Bergen im Grenzgebiet zu Myanmar können die Malariaerreger auch gegen das sonst sehr effektive Artemisinin resistent sein. Die in Deutschland verschriebenen Kombinationspräparate (Verwendung ggf. als Notfallmedikamente, sog. Stand-by-Therapie) gelten jedoch weiterhin als ausreichend wirksam, auch für diese Region. Die Anwendung von Malarianotfallmedikamenten bei Kleinkindern auf bloßen Verdacht hin ist allerdings problematisch, nicht selten leiden die Kinder gleichzeitig unter Durchfall oder Erbrechen. Wichtig ist die qualifizierte ärztliche Versorgung innerhalb weniger Stunden im Verdachtsfall. Ist das Dorf mit dem Auto erreichbar dann ist das in der Regel kein Problem; ist es aber nur nach Stunden Fußmarsch durch den Dschungel zu erreichen, dann sollte man sich den Aufenthalt gut überlegen. Vor allem in der Regenzeit würde ich diese Dörfer nicht mit Kleinkindern besuchen. Im Nordosten sind die Dörfer in der Regel nicht so abgeschieden wie in den Bergen Nordthailands und ein Krankenhaus schneller erreichbar. Allerdings wäre dort die Gefahr der Tollwut signifikant höher.
 

Als Letztes noch: Der Ehemann ist in den Dörfern immer auch ein Ehrengast, dann gibt es den Reisschnaps - und der ist so hochprozentig, den kann man anzünden. Man wird aufgefordert, dann mit allen und jedem zu trinken. Da rate ich zur Vorsicht. Am besten einfach eine Flasche Marken-Whisky oder Ähnliches als Geschenk mitbringen. Dann gibt es einmal große Freude, und zum anderen ist man selber auf der sicheren Seite. Und schon mal einen guten Spruch überlegen, warum man gerade heute nicht soviel trinken kann. Das wird dann eine Balance zwischen Höflichkeit und Selbstschutz. Oft nippe ich immer nur an dem Gläschen, sodass ich mit einem Drink mehrfach anstoßen kann.

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