Bissverletzungen auf Reisen: Wie hoch ist das Risiko?

Weltweit sterben jährlich etwa 50.000 Menschen an Tollwut. Der Erreger wird besonders häufig durch Hundebisse übertragen. Aber auch zahlreiche andere Säugetiere wie Katzen, Affen, Fledermäuse, Marder etc. können das Tollwutvirus durch Beißen, Kratzen oder seltener auch durch das Belecken von Schleimhäuten oder verletzter Haut weitergeben. Das Ansteckungsrisiko ist dann am höchsten, wenn der Erreger über die unbedeckte Haut direkt in eine Wunde mit hoher Dichte an Nervenfasern gelagt. Das ist zum Beispiel bei Bissen in die Hände oder ins Gesicht der Fall. Solche theoretischen Erwägungen sollten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass jede Verletzung durch ein Säugetier - besonders in einem fremden Land - zunächst als tollwutverdächtig anzusehen ist. Auch mögliche Aussagen von einheimischen Ärzten in Entwicklungs- oder Schwellenländern, dass eine Gegend tollwutfrei sei, muss mit einer gehörigen Portion Skepsis betrachtet werden. Meist ist es sinnvoll, parallel zur medizinischen Erstversorgung Kontakt mit einem Arzt Ihrer Reisekrankenkasse aufzunehmen, um zu klären, ob eine ärztliche Versorgung nach europäischem Standard vor Ort möglich ist, oder ob ggf. eine zeitnahe Abreise sinnvoller wäre.
 

 

 Bildquelle: Werner Schönherr

 

Der beste Tollwutschutz ist, sich gar nicht erst beißen zu lassen. Wie hoch ist eigentlich das Risiko, während einer Fernreise durch ein Tier verletzt zu werden?

W. Piyaphanee von der Mahidol Universität Bangkok und Kollegen werteten in Thailand mehr als 7.600 Fragebögen aus, in denen internationale Reisende nach Tierkontakten gefragt wurden. Je etwa ein Drittel der Reisenden kamen aus Europa und ein Drittel aus Ostasien. Über 70% hatten nie eine Tollwutimpfung erhalten und mehr als 15% waren unvollständig geimpft.
Die statistische Auswertung der Ergebnisse zeigte 1,11 Bissereignisse pro 100 Reisende/ Monat. Mehr als 3 von 100 Reisenden waren statistisch pro Monat einmal oberflächlich mit Speichel in Kontakt gekommen, also zum Beispiel von einem Tier beleckt worden. Eine Auswertung von V. Field und Kollegen vom InterHealth and National Travel Health Network and Centre in London ergab, dass die meisten Bissverletzungen aus Thailand (16,3%), Algerien (13,8%) und Marokko (8,8%) herrührten. Im Rahmen der Untersuchung von 6.957 Personen mit Gesundheitsproblemen berichteten 80 Personen über Bissverletzung.

Welche Faktoren erhöhten das Risiko für Tierkontakte?

  • deutlich höheres Risiko bei Aufenthalten > 20 Tage
  • Asiaten aus Ländern mit geringem Tollwutvorkommen hatten mehr Risikokontakte als Europäer

Welche Faktoren verringerten das Risiko für Tierkontakte?

  • deutlich geringeres Risiko bei Kurztrips < 5 Tage
  • Herkunft der Reisenden aus Ländern mit hohem Tollwutvorkommen

Welche Faktoren beeinflussten das Risiko für Tierkontakte kaum?

  • Alter
  • Geschlecht
  • abstraktes Wissen über Tollwut

 
Gefährliches Unwissen

  • Etwa ein Viertel der gebissenen Reisenden verzichteten auf eine Wundreinigung.
  • 2/3 der gebissenen Reisenden verzichteten auf einen Arztbesuch und eine Tollwut(auffrisch)-Impfung.
  • Knapp 60% der Reisenden wussten nicht, dass Tollwut auch bei Belecken verletzter Haut übertragen werden kann.
  • In Regionen mit vielen streunenden Tieren können Städte-Touren mit einem höheren Tollwutrisiko einhergehen als Trekking-Reisen.

Fazit
Bei Aufenthalten in Ländern, in denen Tollwut vorkommt, besteht auch für Reisende oft ein gewisses Risiko, da sich gefährliche Tierkontakte nie hundertprozentig ausschließen lassen. Die Dauer der Reise beeinflusst das Risiko maßgeblich.

Quellen

  • Piyaphanee W et al. Risk of Potentially Rabid Animal Exposure among Foreign Traverlers in Southeast Asia. PLoS Negl Trop Dis. 2012;6(9):e1852. doi: 10.1371/journal.pntd.0001852. Epub 2012 Sep 27. [Volltext]
  • Field V, Gautret P, Schlagenhauf P, Burchard GD et al. Travel and migration associated infectious diseases morbidity in Europe, 2008. BMC Infect Dis. 2010 Nov 17;10:330. doi: 10.1186/1471-2334-10-330. [Volltext]

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