Bali: Todesfall einer Frau nach Hundebiss

Verschiedene lokale Medien, aber auch ProMED, eines der bedeutendsten Informationssysteme für die Meldung von Krankheitsausbrüchen, berichteten über einen Todesfall auf Bali. Es handelte sich um eine Frau, die am 15. Mai 2015 von einem Hund ins Bein gebissen wurde.

Vier Tage später wurde der Hund eingeschläfert, um Proben seines Hirngewebes im Labor untersuchen zu können. Der Tollwutverdacht bestätigte sich und die Frau erhielt am 20. Mai eine erste Tollwutimpfung. Auf die gleichzeitige Verabreichung von Tollwutimmunglobulin (simultane Tollwutimmunisierung) wurde verzichtet. Am 26. Mai entwickelte die Patientin erste Symptome, fiel kurz darauf ins Koma und verstarb am 27. Mai.

Insgesamt hatte die Frau zwei Injektionen des Tollwutimpfstoffs erhalten, jedoch letztlich mit 5 Tagen Verzögerung. Die Inkubationszeit der Tollwut kann - u.a. abhängig  von Umfang und Lokalisation des Bisses - sehr stark variieren. Es finden sich Angaben in der Literatur von fünf Tagen bis zu mehreren Jahren.

 

 

Bildquelle: Denis Zimmer

Der Leiter des Jembrana Health Service, Dr. Putu Suasta, habe der Presse erklärt, dass die Frau nicht an Tollwut verstorben sei, sondern eine "Infektion des Gehirns" vorlag  ("suffered an infection of the brain"). (ProMED 04.06.)
Diese Aussage ist schwierig zu interpretieren, da auch das klinische Vollbild einer Tollwut nichts anderes darstellt als eine besonders schwere Form der Hirnentzündung. Auch die ProMED Moderation, die diese Meldung unter Bezugnahme auf einen Artikel in "The Bali Post" veröffentlich hatte, drückt sich recht kryptisch aus: "It seems likely that, in this case, the victim did not die as a result of rabies virus infection but rather as a consequence of a non-specific fatal reaction."
 

Ferndiagnosen sind nicht möglich. Es mag sich um eine "non-specific fatal reaction" gehandelt haben, was immer darunter zu verstehen sei. Tatsache ist jedoch,
 

  • dass die Patientin von einem nachweislich tollwutinfizierten Hund gebissen wurde,
     
  • dass eine postexpositionelle Tollwutimpfung nicht zeitnah nach dem Biss, sondern mit fünf Tagen Verzögerung begonnen wurde,
     
  • dass auf die dringend gebotene zusätzliche Gabe von Tollwutimmunglobulin oder (alternativ für Länder mit knappen Ressourcen) die Anwendung der sog. "intradermalen Methode" verzichtet wurde,
     
  • sowie dass die Patientin nach Ablauf der Inkubationszeit an einer nicht näher bezeichneten "Gehirnentzündung" verstarb.
     

Fazit: Es bleibt abzuwarten, ob noch weitere Informationen zur Todesursache der Patientin vorgelegt werden. Hierbei sollten möglichst auch andere Faktoren wie bestehende Grundleiden und nicht zuletzt auch die Qualität des verwendeten Impfstoffes berücksichtigt werden. Das beschriebene Vorgehen entspricht - soweit zu erkennen - jedoch nicht den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für den Umgang mit "tollwutverdächtigen" Bisswunden. (WHO 2010, WHO 2015)

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