Afrikanischer Tanz - Annik Youdoum

Im afrikanischen Tanz sprüht Energie und Lebensfreude. Tanzen ist im traditionellen Afrika ein spiritueller Bestandteil des täglichen Lebens, das Symbol der Verbundenheit mit der Erde. Mit lustvollen und fließenden Bewegungen werden alle Körperregionen angesprochen, die sich harmonisch verbunden bewegen. Afrikanischer Tanz lebt vom Zusammenspiel von Rhythmus und Bewegung. Die Trommel setzt den Puls, der alle verbindet, sie ist die Grundlage für den Tanz. Jeder Rhythmus hat einen eigenen Namen, wird zu bestimmter Gelegenheit gespielt und hat seine eigene für den Takt charakteristischen Schritte. Die Tänze verschiedener Rhythmen sind alle sehr unterschiedlich und die TänzerInnen wissen genau welche Schritte zu dem jeweiligen Rhythmus gehören.

In Kamerun z.B. bei dem Volk „Bamiléké“ wird traditionell „nkwaà“ getanzt. In diesem Tanz wird im Unterschied zu den anderen Tänzen ungewöhnlicherweise das linke Schwungbein betont, während das Gewicht auf dem rechten Fuß ruht. Der Versuch das Standbein von links nach rechts zu wechseln, gilt bei den Bamiléké als Sakrileg, als ein Vergehen gegen Heiliges. 

Andere wichtige Elemente des afrikanischen Tanzes sind der Gesang und das Gefühl in der Gemeinschaft zu tanzen. Jeder Tanz birgt eine tiefe Bedeutung (wie Fruchtbarkeit, Jagd, Initiationsrituale, Wachstum, Geburt, Tod, Hochzeit und Ernte). Er kann der Magie oder Geisterbeschwörung dienen. Außerdem kann er aber auch persönliche Gefühle und körperliche Leistungen darstellen, sowie Traditionen und Rieten z.B. aus Anlass der Volljährigkeit. Als Teil eines spirituellen Rituals kann der Tanz die symbolische Form der Kommunikation mit den Mächten der Natur sein. Die Tänzer tanzen sich in Trance. Trance ist ein Zustand von Hirn und Körper, indem sich das „bewusste Ich“ aufzulösen scheint, Schmerz und Müdigkeit vergehen. Es werden ungeahnte Energien mobilisiert und im Fluss mit einem Rhythmus verliert sich das Empfinden für Raum und Zeit. Trance bedeutet besessen sein von etwas, was in diesem Moment das Sein bestimmt. Nur so (in Trance) ist es möglich mit den Göttern und Geistern in Verbindung zu treten. In manchen Maskentänzen bemächtigt sich der Gott oder Geist eines Verstorbenen vorübergehend der Identität des Tänzers. 

 

Bildquelle: Dr. H. Jäger

 

Beim afrikanischen Tanz pulsieren innere Rhythmen im Takt der Trommeln, exakt und harmonisch getaktet mit äußeren Rhythmen. Trommler und Tänzer verbinden sich zu einer Einheit und beeinflussen sich gegenseitig. Der Rhythmus unterstützt die Bewegungen und spendet den Tänzern Kraft um aus sich herauszugehen. Der Trommler schöpft Energie durch den Tanz, der durch seine Musik Gestalt annimmt. Tänzer und Musiker kreieren ein gemeinsames Energiefeld, in dem jeder seinen individuellen Ausdruck finden kann. Wechselt der Rhythmus, wechseln auch die Schritte. So vollkommen bewegt und durchgeschüttelt werden Körper und Geist erfrischt und neu geordnet. 

Die Besonderheit afrikanischer Musik und ihr Takt hat mittlerweile in den unterschiedlichsten Formen nahezu alle Richtungen populärer Musik beeinflusst und bestimmt sie weiterhin.

Unter Afrikanischer Tanz werden im Allgemeinen Tänze unterschiedlichster Art in Subsahara-Afrika verstanden. Die Tänze werden meistens von Trommeln begleitet. Beide gehören so eng zusammen, dass sie voneinander gar nicht zu trennen sind.

Afrika ist ein großer Kontinent mit 53 Ländern. Obwohl die Tänze einige Ähnlichkeiten haben, unterscheiden sie sich durch Traditionen und Wanderungen doch sehr vom arabischen Nordafrika. In Afrika gehören Musik, Tanz und Gesang untrennbar zusammen und sind tief verwurzelt im Alltagsbewusstsein der Menschen.
Inhaltsverzeichnis

    1 Kriegstänze
    2 Liebestänze
        2.1 Yankadi und Macru
    3 Tänze zu Übergangsritualen
    4 Begrüßungstänze
        4.1 Yabara
    5 Anrufung der Geister
        5.1 Orisha-Tänze
        5.2 Anrufung des Kakilambe
        5.3 Anrufung des Monbayasa
    6 Moderne Tänze
    7 Literatur

Kriegstänze

Kriegstänze bieten eine Möglichkeit, Techniken des Schwertkampfes zu trainieren, das Vermeiden von Angriffen zu üben. Gleichzeitig werden die Muskeln entwickelt, die für diese Art Bewegung gebraucht werden. Außerdem können die Krieger Kraft und Stolz zeigen.

Liebestänze

Sie können ebenso anmutig wie kraftvoll und energisch sein. Sie werden oft bei Vollmondfesten, Hochzeiten und Jahresfeiern getanzt.

Yankadi und Macru

Diese beiden Tänze sind über ganz Westafrika sehr verbreitet. Sie werden immer nacheinander getanzt. Yankadi ist langsam und weich und wird mit vielen Windungen des Körpers getanzt. Macru ist fünfmal so schnell und enthält eine Menge erotischer Bewegungen. Männer und Frauen stehen sich in zwei Reihen gegenüber. Die Frauen haben Schals und geben ihren Schal dem Mann, mit dem sie tanzen wollen, die Männer geben den Schal weiter an die Frau, mit der sie tanzen wollen. Viele Ehen entstehen durch diese Tänze, weil bei ihnen festgestellt wird, wer wen mag.
Tänze zu Übergangsritualen

Das sind zum einen Tänze für junge Menschen, die in der Initiation in die Gemeinschaft eingeführt werden. Sie geben dem Tänzer Vertrauen, der es vor allen anderen gut machen muss, die ihn nun formell als Erwachsenen anerkennen. Das macht stolz und führt zu einem vertiefteren Sinn für die Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit. Andere Übergangsriten beziehen sich auf den Jahreskalender. Hierzu gehört der Männertanz Sebiba der Tuareg.

Begrüßungstänze

Begrüßungstänze stellen einerseits den Respekt vor den Gästen und die Freude, dass diese da sind, zur Schau, andererseits wird mit ihnen dargestellt, wie talentiert und attraktiv die Gastgeber sind.

Yabara

Der Tanz heißt nach der Kürbis-Rassel, die mit einem Perlennetz bedeckt ist. Mit ihr werden die Akzente von den tanzenden Frauen gesetzt. Sie werfen die Rasseln während des Tanzes in unterschiedliche Höhen in verschiedenen Rhythmusvarianten. Es ist sehr eindrucksvoll, wenn alle Tänzerinnen gleichzeitig die Rasseln werfen und wieder fangen.

Anrufung der Geister

Diese Tänze sind überall anzutreffen und spielen in vielen traditionellen afrikanischen Religionen eine wichtige Rolle. Sie alle haben eine Verbindung zu den Geistern. Es kann der Geist einer Pflanze oder eines Waldes sein, ein Ahn oder eine Gottheit, die gerufen werden. Wenn der „Geist des Waldes“ angerufen wird, so ist daran zu erinnern, dass viele Bäume durch ihre Wurzeln unter der Erde miteinander verbunden sind.

Besitzergreifende Geister versucht man in einem Besessenheitskult nicht zu vertreiben, sondern herbeizurufen und günstig zu stimmen. Tänze, die zu Besessenheitskulten gehören, sind Stambali in Tunesien, Derdeba in Marokko, Pepo in Tansania, Mashawe in Sambia und Simbabwe sowie Vimbuza in Malawi.

Orisha-Tänze

Die Orishas sind die Götter vieler Formen afrikanischer Religion überall auf der Erde. Bekannt sind z. B. Candomblé, Santeria, Yoruba, Voodoo. Jeder Orisha hat seine eigenen Farben, Tage, Zeiten, Speisen und Getränke, seine Musik und natürlich seinen Tanz. Das alles wird bei besonderen Gelegenheiten angewandt, um den Orisha zu ehren oder um seine Hilfe zu suchen, um seine Führung zu bitten oder um ihn zu versöhnen, wenn er verärgert scheint.

Anrufung des Kakilambe

Kakilambe ist ein großer Geist des Waldes, der immer durch Tanz herbeigerufen wird. Er kommt als eine riesige Statue, die aus dem Wald heraus zum wartenden Dorf getragen wird, wo es dann eine Menge Tanz und Gesang gibt. Während dieser Zeit wird die Statue aufgerichtet. Danach fragen die Priester Kakilambe, ob in den nächsten Jahren alles gut gehen wird oder ob irgendwelche besonderen Ereignisse zu erwarten sind wie z.B. Trockenheit, Krieg oder ähnliches.

Anrufung des Monbayasa

Moribayasa ist ein Tanz der Frauen, die in Unglück geraten sind. Gewöhnlich sind sie nach vielen Jahren vergeblicher Versuche, schwanger zu werden, immer noch kinderlos. Aber es kann sich auch darum handeln, dass jemand, den sie lieben, krank ist, oder um andere große Probleme. Der Name gehört zu einem bestimmten Baum in der Nähe eines Dorfes in Guinea, und von dort stammen Rhythmus und Tanz. Die Frau bereitet sich vor, indem sie zerrissene und schmutzige Kleidung anzieht und mit einer Gruppe von Trommlern zu dem Baum geht. Die Trommler spielen, und die Frau singt und tanzt einmal ganz um das Dorf herum. Dann kehrt sie zurück und gräbt am Fuß des Baumes ein Loch. In dem begräbt sie die zerrissene Kleidung mit einem Gebet um Hilfe.

Moderne Tänze

Der Gummistiefel-Tanz ist ein moderner, authentischer, afrikanischer Tanz, der häufiger von Tanzgruppen (auch in den Touristenzentren) Südafrikas getanzt wird. Der Gummistiefel-Tanz gilt manchen als Vorläufer des Stepptanzes.

Bewegungen der traditionellen Tänze werden mit neuen Bewegungen kombiniert und kreativ zu moderner afrikanischer Musik getanzt.

Im Senegal ist der Mbalax, benannt nach der Musikrichtung gleichen Namens, sehr beliebt. Elemente aus dem traditionellen Sabar-Tanz werden zu moderner Popmusik, dessen bekanntester Vertreter Youssou N'Dour ist, getanzt.

Der Soukous ist der populäre Musik- und Tanzstil der Côte d'Ivoire, wird aber auch in anderen Teilen des Kontinents getanzt.

Wenn du sprechen kannst, kannst du singen.
Wenn du gehen kannst, kannst du tanzen. 

Afrikanisch

Annik Youdoum

 Quellen:

MD Medicus Imagevideo

 
  1. MD Medicus
  2. Gesundheitsberatung & Pflegeassistance
  3. Haus-Service & Telemedizin
  4. Versorgungs- & Reha-Management
  5. International Beraten / Reisebüro / Dolmetscher Service
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